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Wiederaufnahme am 2.2., 3.2. und 4.2.2006.Karten unter Tel. 20309-2101.
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Musik und Bilder zu Kleist
Formale Gestaltung von „St. Jago“Dieter Schnebels 1991 in Hamburg uraufgeführtes Werk ist im vollen Wortsinne Musik-Theater. Die Idee, ein Stück über Heinrich von Kleist zu schreiben, kam Schnebel bereits während der Arbeit zu „Jowaegerli“ (Alemannische Worte und Bilder von und nach Johann Peter Hebel). In „St. Jago“, dem Stück über Heinrich von Kleist, entschied sich der Komponist für einen Klangverlauf der sozusagen „modernen“ Art: städtisch
In der Gesamtkonzeption von „St. Jago“ werden drei Komponenten in vielfältige Beziehungen gesetzt:
1. SPRACHVERLÄUFE, wo der Inhalt primär durch Sprache vermittelt wird, und die Musik eher dienende Funktion hat: durch spezifische Klänge jeweils einen akustischen Raum schafft, und durch rhythmische Prozesse die Erlebniszeit gleichsam seismographisch strukturiert.
2. MUSIKGESCHEHEN, wo Inhaltliches musikalisch mitgeteilt wird, und Worte – wo sie überhaupt vorkommen – eher begleiten.
3. BILDPROZESSE und BILDER, in denen Inhalte optisch kommuniziert werden, und die Musik wiederum dienend fungiert, zumal sie Dramatisches hörbar drastisch illustriert.
In den SPRACHVERLÄUFEN präsentiert sich, wie gesagt, die Erzählung „Das Erdbeben in Chili“. Die vier Teile des MUSIKGESCHEHENS setzen wesentliche Momente der Erzählung, aber auch der Kleistschen Dichtung, musikalisch um: „Erschütterung“, „Nacht der Liebe“, „Tag des Friedens“, „Todesorgie“. Sie sind Zwischenspiele und bilden Zusammenfassungen. In Vor- und Nachspiel verbinden sich Worte und Musik, und es geht um den Dichter selbst. Das Vor-spiel „Kleists Ende“ ist durchzogen von Briefstellen aus seiner letzten Zeit, und im Nachspiel sind es Passagen aus dem wunderbaren Essay „Über das Marionettentheater“.
Die BILDER und BILDPROZESSE aber zeigen Kleistsche Räume und deuten auf entschei-dende Motive seiner Dichtung, veranschaulichen bildlich und musikalisch, nicht aber durch´s Wort, Themen wie Enthauptung, Grab, Zweikampf, Vergewaltigung, aber auch Fußwaschung, das spielende Kind, oder Tanz – unter jeweils deutlichem Bezug auf Stellen aus Kleists Dramen und Erzählungen. Die BILDER sind gewissermaßen zeitlos, in ihrer Dauer nicht festgelegt, die BILDPROZESSE aber werden „getimet“.
Die Überschriften der einzelnen Teile können, die Überschriften der Bildteile und der Vor-, Zwischen- und Nachspiele müssen von den Sängern angesagt werden.
„St. Jago“ ist ein Werk, dessen quasi serielle Formstruktur integralen Charakter hat. Die verschiedenen musikalischen und bildlichen Ebenen verlaufen nicht einfach parallel, sondern projizieren aus ihrem Innern kunstvoll das feinstoffliche Seelenbild des Menschen und Dichters Heinrich von Kleist.
Cornelia Heger

